Information on identification |
| Ref. code: | DE-1992-JUD-NL-SIN |
| Ref. code AP: | DE-1992-JUD-NL-SIN |
| Title: | Nachlass Sinclair |
| Creation date(s): | approx. 1890 - 2010 |
| Level: | Bestand |
| Extent: | 82 AE |
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Information on context |
| Verwaltungsgeschichte, Biografische Angaben: | Hugh Peter Sinclair wurde 1921 als Hans-Peter Siegel in München geboren. Er war der Sohn des jüdischen Rechtsanwalts Michael Siegel, der 1933 bei einem Anhörungstermin für seinen Mandanten, den Inhaber des Kaufhauses Uhlfelder, im Münchner Polizeipräsidium schwer misshandelt und anschließend mit abgeschnittenen Hosen und einem Schild mit der Aufschrift: "Ich werde mich nie mehr bei der Polizei beschweren" durch die Münchner Innenstadt getrieben wurde. Eine dabei entstandene Fotoaufnahme wurde zu einer traurigen Ikone der Verfolgung von Juden in München, die sich in zahlreichen Geschichts- und Schulbüchern befindet.
Die Familie bewohnte eine Vierzimmerwohnung in der Possartstraße 10 in München-Bogenhausen. Des weiteren besaß sie ein Holzhaus in der Ortschaft Walchensee im Oberland, das sie in den Sommermonaten nutzte. Hans Peter Siegel besuchte zunächst die Volksschule an der Gebelestraße und dann das Wilhelmsgymnasium in München, bis ihm das aufgrund seiner jüdischen Abstammung verwehrt wurde. Er wechselte dann auf die Höhere Handelsschule der Hansaheime, die er fünf Jahre lang besuchte.
Nach der Reichspogromnacht ging der gerade 18-jährige Peter, der in Ermangelung universitärer Ausbildungsmöglichkeiten im November 1937 eine Lehre als Bierbrauer in der Brauerei Kaltenberg des mit der Familie befreundeten Fritz Schülein begonnen hatte, im März 1939 mit einem Studienvisum nach London; seine jüngere Schwester Beate folgte ihm drei Monate später mit einem Kindertransport. Den Eltern Mathilde und Michael Siegel gelang noch 1940 die Ausreise über Russland, Japan, Korea, USA nach Peru, wo sie sich eine neue Existenz aufbauten.
Peter Siegel trat in die britische Armee ein und nannte sich fortan Hugh Peter Sinclair. Er war in Indien stationiert. 1949 heiratete er die aus einer Nürnberger jüdischen Familie stammende Suse/Susan Oppenheimer. 1951 trat er in ein Unternehmen der Bergbaubranche ein, das Gruben und Schmelzen für Nichteisenmetalle in Südamerika betrieb. Ab 1959 leitete er dieses Unternehmen als Direktor.
Seit seinem Ruhestand betrieb er in vielfältiger Weise bürgerliches Engagement und begann zunehmend, sich mit der jüdischen Geschichte Süddeutschlands und der seiner eigenen Familie zu beschäftigen. Aus dieser Tätigkeit gingen mehrere Veröffentlichungen hervor, zuletzt ein Aufsatz über die Siegels in Arnstein, der 2009 im Jahrbuch des Arnsteiner Heimatvereins erschien. An seinem Londoner Wohnort Harrow begründete er eine Sektion der Seniorenuniversität von U3A. Hugh Peter Sinclair starb am 27. April 2010 in London. Sein Vater war bereits am 15. März 1979 in Lima verstorben. |
| Archival history: | Übergabe in mehreren Teilen seit Mitte der 1990er Jahre bis zum Tod von Peter Sinclair |
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Information on content and structure |
| Former reference codes: | DE-1992-JUD-V-0154 |
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Information on related materials |
| Veröffentlichungen: | https://hdbg.eu/zeitzeugen/detail/juedisches-leben/peter-sinclair/418; https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/9783486853742-016/pdf?licenseType=restricted |
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Usage |
| Permission required: | Keine |
| Physical Usability: | Uneingeschränkt |
| Accessibility: | Öffentlich |
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