CHR Chronik, 1818- (Bestand)

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Ref. code:CHR
Ref. code AP:CHR
Title:Chronik
Creation date(s):from 1818
Level:Bestand
Extent:645 Bände
Running meters:74.00

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Verwaltungsgeschichte, Biografische Angaben:Zur Geschichte der Stadtchronik
Auf Wunsch König Ludwigs I. sollten alle bayerischen Städte und Gemeinden nach mittelalterlichem Vorbild eine Chronik führen. Die Anregung des Königs war eine Folge der populär werdenden Hinwendung zur Vergangenheit, der zeittypischen Entdeckung von Geschichtlichkeit. Die königliche Initiative war aber auch ein politischer Schachzug, um monarchiefeindliche Bestrebungen zu bekämpfen. Denn, so 1827 das freimütige Bekenntnis des späteren Innenministers Eduard von Schenk, „wer seinen Sinn ernst und würdig auf die Vergangenheit richte, sey nicht zu fürchten in der Gegenwart“. Obwohl der Münchner Bürgermeister Josef von Teng die staatlichen Pläne im Juni 1837 befürwortete, dauerte es acht Jahre, bis der Münchner Magistrat 1845 tatsächlich die Einrichtung einer Stadtchronik beschloss.
Noch im selben Jahr begann der Bibliothekar Ulrich von Destouches die fortlaufende Chronik der Stadt München zu schreiben. Schon bald erhielt er aber auch die Order, die Chronik rückwirkend ab dem Jahr 1818 zu rekonstruieren. Man erwartete, dass sich der Chronist „diesem Geschäfte mit Fleiß und Eifer unterzieht“. Bereits im September 1845 konnte Destouches dem Magistrat die ersten Jahrgänge der von ihm erstellten „Diarien“ vorlegen. Ihr offizieller Titel lautete „Jahrbuch der Stadt München“. Waren die rückwirkend erarbeiteten Bände noch reichlich dünn gewesen, so füllte ab 1836 jedes Jahr einen eigenen Band, so dass bei Destouches‘ Tod im Jahr 1863 die Stadtchronik bereits 38 Jahrgänge in 17 Bänden umfasste (der heutige Bestand umfasst insgesamt 74 Regalmeter).
Nach seines Vaters Tod übernahm der damals gerade 20-jährige Student der Rechte, Ernst von Destouches, die verwaiste Stadtchronik und perfektionierte sie immer mehr. Wie schon sein Vater fügte er den täglichen Eintragungen ergänzende Beilagen (Druckschriften, Flugblätter, Theater- und Konzertprogramme, Zeitungsartikel, Traueranzeigen, Fotos, Plakate usw.) an. Angeblich belustigten sich die Zeitgenossen über die Sammelwut des Chronisten – „sogar die Theaterbillettln sammelt er“, hieß es.
Destouches brachte – wie übrigens alle Chronisten – in seiner mehr als fünf Jahrzehnte dauernden Amtszeit seine eigene „Handschrift“ und seine subjektive Wahrnehmung des Zeitgeschehens bei der Chronikniederschrift ein. Die Chronik vermittelt somit nicht nur „objektiv“ stadthistorische Ereignisse, sondern auch zahlreiche stimmungsvolle München-Eindrücke aus der Perspektive des jeweiligen zeitgenössischen Beobachters. Die von Destouches mit ungeheurem Fleiß zusammengetragene Beilagensammlung eine stadtgeschichtliche Quelle von außergewöhnlichem Rang. Sie ist eine unschätzbare Fundgrube für lokalhistorische Forschungen, denn sie enthält zahlreiche Dokumente, die sich in keiner Bibliothek und in keiner Graphischen Sammlung erhalten haben. Als Ernst von Destouches im Jahr 1914 sein 50-jähriges Jubiläum als Stadtchronist feierte, war die Chronik bereits auf einen Bestand von rund 400 Bänden angewachsen. Bürgermeister Wilhelm Georg von Borscht sprach aus diesem Anlass einen Satz, der bis heute Gültigkeit hat: „Münchens Chronik ist eine Einrichtung, die keine andere Großstadt in der gleichen umfassenden Form aufzuweisen hat.“
Die Chronik heute
Konnte zu Destouches’ Zeiten ein Berichterstatter das städtische Leben in seiner Gesamtheit noch einigermaßen zu erfassen, so ist das heute völlig unmöglich. Das Alltagsgeschehen in der Großstadt München kann längst nicht mehr in seiner ganzen Fülle in einer Stadtchronik berichtet werden; die Tagespresse erfüllt diese Aufgabe weitaus besser und aktueller als dies ein einzelner Chronist / eine einzelne Chronistin vermag. Die aktuelle Stadt-chronik versucht, punktuell die Themen auszuwählen, die einerseits exemplarisch für das zeitgenössische München erscheinen und andererseits Relevanz für künftige Generationen haben könnten. Es gilt, unter der Vielzahl von angebotenen Informationen die Ereignisse und Fakten auszuwählen, die Entscheidungen, Standpunkte, Entwicklungen oder vielleicht auch Tendenzen markieren. Dass die getroffene Auswahl zu einer gewissen Subjektivität führt, ist erwünscht. Die Chronik versteht sich nicht als wissenschaftliches Werk, sondern sie versucht späteren Generationen von Benutzern ein Zeitbild zu vermitteln.
Seit dem Jahr 2000 wurde wieder damit begonnen, die meist knappen Einträge durch Beilagen zu ergänzen. Dabei kann es sich um ganz gezielte Ergänzungen handeln, aber auch um solche, die das jeweilige Thema assoziativ erweitern. Vorrangige Aufgabe dieser neuen Beilagensammlung ist es, informationsorientiert „Überlieferung für morgen“ anzulegen. Das Münchner Stadtarchiv versucht auf diese Weise; im Moment verfügbares Material aller Art zu bestimmten Themenbereichen (stadtgeschichtlich relevante Ereignisse, Personen etc.) zusammenzutragen. Dies ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil vieles davon – beispielsweise Internetseiten – später mit Sicherheit nicht mehr verfügbar sein wird. Es handelt sich hierbei gewissermaßen um den archivischen „Idealfall“, nämlich um das bewusste Anlegen von späteren Quellen zum Münchner Alltagsleben.

Das „Chronik-Projekt“ im Internet
Seit September 2002 werden unter der Adresse www.muenchen.de/stadtarchiv Auszüge aus der Stadtchronik ins Internet eingestellt. Im 25-Jahres-Schritt (vor 100, vor 75, vor 50, vor 25 Jahren) wird jeden Monat „Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches“ veröffentlicht. Momentan werden ausschließlich Einträge aus Jahrgängen ab 1900 publiziert. Bisher sind die Jahre 1900-1917 (wird monatlich ergänzt), 1920-1942 (wird monatlich ergänzt), 1945-1967 (wird monatlich ergänzt) sowie 1977-1992 (wird monatlich ergänzt) im Netz (Stand Januar 2017).

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Inhalt:Offizielle Betitelung:1818-1867: Jahrbuch der Königl. Haupt- und Residenzstadt München1880-1916: Jahrbuch der Stadt München1917-1935: Jahrbuch der Landeshauptstadt München1936-1944: Jahrbuch der Hauptstadt der Bewegung Münchenseit 1945: Jahrbuch der Landeshauptstadt MünchenHinweis zur Benutzung: Die Jahrgänge 1818 bis 1916 sind verfilmt und können im Lesesaal des Stadtarchivs eingesehen werden. Die Jahrgänge ab 1917 werden im Original vorgelegt.

Conditions of access and use

Language:Deutsch
Finding aids:Registerbände, Karteien

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